Dies ist der zweite Teil meiner kleinen Artikelserie zum Jahreswechsel. Hier findest du den vorherigen Teil:
Teil 1: Rekordkurse trotz Krisenstimmung?
Alltagshelden statt Untergang
Dabei ist mir zum Jahresende etwas aufgefallen, eine Kleinigkeit im Alltag – etwas, was vermutlich im typischen Alltagsstress einfach untergeht. Ich wachte am Silvestermorgen auf, schaute aus dem Fenster und sah, eines der wenigen Male in diesem Jahr, dass es über Nacht geschneit hatte. „So ein Mist!“, dachte ich, schließlich müsste ich später noch zur Arbeit fahren und somit, bei sowieso schon knapper Zeit, nun noch mein vereistes Auto freikratzen. Ganz zu schweigen vom erhöhten Unfallrisiko bei glatten Straßen usw. usw. …ich wollte wieder meckern, ein Pessimist sein, aber da fiel mir etwas auf…
Bereits in den frühen Morgenstunden standen etliche meiner tüchtigen Nachbarn auf, schoben Schnee, streuten Salz oder Sand und fegten die Gehwege frei. Als ich mein Auto von Schnee und Eis befreit hatte und durch die Stadt fuhr, überall dasselbe Bild: Tüchtige, pflichtbewusste Menschen waren in aller Früh vor ihren Häusern und Wohnungen am Werk und befreiten ihrerseits Straßen und Wege von Eis und Schnee.
Wenn man die Medienlandschaft verfolgt und die Stimmung an allen Ecken wahrnimmt und nur danach gegangen wäre, hätte man glatt seine Hand dafür ins Feuer legen können, dass heutzutage doch keiner mehr in den frühen Morgenstunden, an einem kalten Wintertag, aufsteht, um für sich und seine Mitmenschen Winterdienst vor seinem Haus zu vollziehen.
Ausschlafen wäre angesagt! Leistung lohnt sich doch eh nicht und überhaupt: Was gehen mich die anderen an! Das, wäre doch eine erwartbare Haltung gewesen!
Ein ähnliches Bild am Neujahrsmorgen: Während nachts vermutlich unzählige gelangweilte Taugenichtse durch die Straßen zogen, mit ihren Schreckschusspistolen herumballerten, Briefkästen in die Luft sprengten und mit ihren Silvesterknallern ohne jede Rücksicht die Innenstädte und fremde Grundstücke vermüllten, war am Morgen danach, dass stille Kontrastprogramm zu beobachten.
Menschen standen trotz des Neujahrsmorgens früh auf, fegten die Gehwege vor ihren Grundstücken und sammelten den üblichen Silvester-Böller-Müll von öffentlichen Straßen und Plätzen.
Ich verstehe die Aufregung, insbesondere zum Jahreswechsel, über zunehmende Gewalteskalation und Unsicherheit im öffentlichen Raum. Ebenfalls würde ich das pessimistische Gefühl teilen, dass sich diese Entwicklungen in den letzten Jahren nicht gerade zum Besseren entwickeln, darum geht es mir auch nicht – Probleme gibt es viele.
Den Punkt, den ich machen möchte, ist, dass es diese stillen Alltagshelden gibt – die Leute, die den ganzen Laden am Laufen halten, aber wenig im Fokus stehen. Die Personen, die jeden Morgen pflichtbewusst oder aus Freude an ihrer Tätigkeit aufstehen und einfach ihren Job erledigen. Die Firmen, Vorstände, Unternehmer und Angestellten, die trotz schlechter werdender Rahmenbedingungen, politischer Fehlentscheidungen und Fehlanreize weitermachen, Wohlstand schaffen und in ihren Branchen oder Karrieren reüssieren.
Diese Geschichten gibt es immer, vielleicht weniger, aber es gibt sie.
Hier geht’s weiter mit Teil 3: Die Börse – ein Ort der Chancen und des Optimismus





