Finanzen an Weihnachten (2/3): Emotionalität vs. Rationalität

Aufnahme einer Weihnachtsmarkt-Einkaufsmeile - Symbolbild für die Psychologie an der Börse und beim Konsum. Vergleich zwischen emotionalen Kaufentscheidungen zu Weihnachten und impulsiven Investment-Fehlern im Depot.

„It’s the most wonderful time of the year…“ Dies ist der zweite Teil meiner kleinen Weihnachtsartikelserie. Hier findest du den vorherigen Teil:

Teil 1: Weihnachtlicher Konsumwahnsinn


Warum wir an der Börse oft so handeln wie beim Weihnachtseinkauf

Glücklicherweise bin ich in meinem Alltag von einem Verhalten, wie in Teil 1 beschrieben, verschont. Ich hatte stets genügend Disziplin, sodass ich nie – außer aus Spar- oder Geizgesichtspunkten – auf ein Alltagskonsumgut wie Lebensmittel, Kleidung oder eine Freizeitaktivität hätte verzichten müssen.

Aber selbstverständlich habe auch ich Momente, in denen die Emotionalität über die Rationalität siegt. Rational weiß ich, dass ich an der Börse langfristig mit einem ETF-Sparplan, auf einen breit gestreuten Indexfonds, ein Vermögen aufbauen werde. Das Ganze emotional durchzuhalten, ist etwas anderes.

Die Kurse schwanken, deine Geduld wird über Jahre und Jahrzehnte auf die Probe gestellt, und es prasseln Unmengen an Informationen über Kaufen, Verkaufen, Krisen und Weltuntergangsstimmung auf dich ein. In dem einen Jahr soll dieser Markt besser performen, im nächsten Jahr ein anderer. Es wird mal wieder eine neue Branche gehypt, mit der sich Überrenditen erzielen lassen. Die eine Währung schwächelt, weshalb du jetzt umsatteln und besser auf eine andere setzen solltest. Daneben ist das mit dem ETF-Sparplan nach einigen Jahren auch etwas langweilig, und schließlich hast du ja schon viel über die Börse gelernt. Deshalb denkst du, mit Einzelaktien wirst du nun noch besser abschneiden, verkaufst und schichtest um.

Das Trügerische ist zudem, dass du denkst, du handelst rational! Schließlich hast du dich ja intensiv mit all diesen Themen beschäftigt und handelst nicht nur aus dem Bauch heraus. Versteh mich nicht falsch: Das kann auch alles stimmen, und du kannst mit jeder Annahme richtig liegen … oder aber du liegst FALSCH und reißt dir alles mit dem Arsch wieder ein, was du dir vorher mühsam mit den Händen aufgebaut hast.

Das war nun ein weiter Bogen, den ich geschlagen habe – auch, weil genau das auch ein Lernprozess für mich ist. Das eine Alltagsverhalten, das ich bei manchen kritisiere und nicht nachvollziehen kann, weil ich in diesem Bereich völlig diszipliniert und weitestgehend rational handeln kann, spiegelt sich an anderer Stelle in einem etwas fiktiveren, vom Alltag gelösten Szenario an der Börse wider. Während ein unkontrolliertes Alltagsverhalten wahrscheinlich dafür sorgt, dass du gar kein Geld zum Investieren hast, sorgt ein unkontrolliertes Investmentverhalten dafür, dass du eventuell eine schlechtere Performance vorweist oder sogar negative Renditen einfährst.

Einfache Tipps, um letzteres zu verhindern, findest du in Teil 3: Disziplin und Strategie für dein Depot.

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