Finanzen an Weihnachten (1/3): Weihnachtlicher Konsumwahnsinn

Aufnahme verpackter Weihnachtsgeschenke vor schwarzem Hintergrund. Darunter steht in roten Buchstaben „SALE“. Symbolbild zum Konsumrausch an Weihnachten.

„It’s the most wonderful time of the year…“ Dies ist der erste Teil meiner kleinen Weihnachtsartikelserie. Hier findest du alle weiteren Teile:

Teil 2: Emotionalität vs. Rationalität
Teil 3: Disziplin und Strategie für dein Depot


Die finanzielle Vernunft verlieren

Die Weihnachtszeit hat begonnen und damit auch der alljährliche Konsumrausch. Eingeläutet durch den nach Thanksgiving folgenden Black Friday gibt es kein Halten mehr. Für viele Firmen ist dies die umsatzstärkste Zeit des Jahres, und alljährlich wird mit Prognosen um sich geworfen, wie sich die Umsätze im Weihnachtsgeschäft wohl entwickeln werden – das Wohl und Wehe der gesamten Volkswirtschaft scheint davon abzuhängen.

Ich dramatisiere natürlich, und selbstverständlich ist dies eine wirtschaftlich sehr bedeutende Phase des Jahres. Was einige Konsumenten allerdings daraus machen, ist für mich jedes Jahr ein unbegreifliches Schauspiel.

Es scheint, als wäre bei manchen Menschen jegliche finanzielle Vernunft und Rationalität abhandengekommen.

Mein diesjähriges Highlight des Konsumwahnsinns spielte sich in meinem nahegelegenen Lieblingsdiscounter ab.

Ein junges Pärchen – ich schätze sie Mitte/Ende 30 – geht mit ihrer kleinen Tochter einkaufen. Das Kind tollt etwas herum, der Mann schiebt den Einkaufswagen und die Mutti… die Mutti macht den Wagen voll…

Und mit VOLL meine ich VOLL! Ich wurde auf die Szenerie nur aufmerksam, weil der Mann in mahnender, leicht genervter Stimmlage zu seiner Begleiterin sagte: „Schatz, wir müssen aber auch das Budget im Auge behalten, wir haben kein Geld!“ – woraufhin seine Partnerin wörtlich entgegnete: „Ist mir egal, es ist Weihnachten und ich habe Lust darauf!“. Im Anschluss stieg sie auf die unterste Reihe des Kühlregals, um aus der obersten Reihe weitere Lebensmittel mit lockerem Schwung aus dem Handgelenk in den Einkaufskorb zu werfen, den ihr Begleiter, sichtlich genervt, weiter hinter ihr herschob.

Der Großteil des Korbinhalts bestand dabei auf den ersten Blick aus leicht verderblichen Lebensmitteln, sodass mir sofort in den Kopf schoss: „Das schaffen die doch niemals aufzuessen, bevor es schlecht wird!“

Nun bin ich kein Autor, der es schafft, die Szene so gut zu beschreiben, dass das in der Realität wahrgenommene Verhaltensmuster hier bestmöglich vermittelt wird. Erst recht bin ich kein Psychologe, aber in dem Kauf- und Konsumverhalten war ein fast kindliches Trotzverhalten erkennbar. Vermutlich prägte es sich deshalb so sehr bei mir ein. Ich war einfach überrascht, einen erwachsenen Menschen in der Öffentlichkeit zu sehen, der durch den Discounter lief wie ein 4-Jähriger im Spielzeugladen…

In meiner Gedankenwelt ist dieses Verhalten schwer nachzuvollziehen. Ich verstehe, dass Weihnachten ist; für mich ist dies ebenfalls die schönste Zeit des Jahres, und man gönnt sich dort, insbesondere kulinarisch, natürlich mal etwas mehr und vielleicht Ausschweifenderes als sonst.

Aber warum sollten grundlegende Konsumverhaltensmuster dort plötzlich keine Gültigkeit mehr haben, wie:

Ich kann und sollte mir nur das kaufen, was ich mir leisten kann! Ich kann und sollte mir nur das kaufen, was ich auch verkonsumieren kann!

Ich verstehe einfach manche Leute nicht, die sich am Monatsanfang nach Gehaltseingang den Kühlschrank mit den exquisitesten Lebensmitteln vollstellen oder x-mal essen gehen, um gegen Ende des Monats wie ein Bettler zu leben. Ein ähnliches Verhalten hier: Auf Kosten einer oder weniger Feiertage wird scheinbar das komplette Haushaltsbudget über den Haufen geworfen – entgegen jeglicher Vernunft bezüglich der Kosten und der Fähigkeit zum Verzehr.

Aber was kann man daraus lernen und wo hat man – mich eingeschlossen – eventuell ähnliche Verhalts- und/oder Denkmuster, obwohl ich hier scheinbar so „von oben herab“ über dieses Beispiel urteile.

Das liest du in Teil 2: Emotionalität vs. Rationalität.

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