Dies ist der letzte Teil meiner zweiteiligen Artikelserie über das Thema „Mehr Geld, mehr Konsum, weniger Freiheit“. Hier findest du den vorherigen Teil:
Bewusster Konsum und Investitionen als Weg zur Freiheit
Nun, ich denke, so geht es vielen. Versteh mich nicht falsch: Du sollst nicht deinen Lebensstandard auf alle Zeiten limitieren und möglichst enthaltsam leben – vielleicht nur etwas bewusster. Muss es wirklich der Neuwagen sein? Brauchst du aktuell überhaupt ein Auto? Muss es gleich die teure Fernreise sein oder findest du auch etwas Schönes, das nicht so weit entfernt und kostspielig ist? Brauche ich als Single die neue 80-qm-Wohnung oder war das WG-Leben nicht eigentlich ganz schön?
Ich zum Beispiel habe – mit Unterbrechungen – bis zu meinem 31. Lebensjahr noch immer bei meinen Eltern gewohnt. Für viele undenkbar und gesellschaftlich auch nicht unbedingt akzeptiert. Bei mir hat es weitestgehend gepasst, aus diversen Gründen. Die negativen und sich darüber amüsierenden Sprüche habe ich alle ignoriert; heute profitiere ich davon.
Das Paradoxe ist ja: Obwohl du deine Ausgaben in der neuen Lebensphase massiv erhöht hast, bist du ja nicht automatisch im gleichen Maße glücklicher geworden. Der Mensch ist auf Anpassung getrimmt, und du wirst dich sehr schnell an eine größere Wohnung oder ein neues Auto gewöhnen, ohne dass es einen entscheidenden Einfluss auf dein Lebensglück hat.
Waren die günstigen Urlaube im Airbnb und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln am Urlaubsort nicht vielleicht mindestens genauso aufregend und schön wie der Taxitransfer und das Luxushotel? Waren die WG-Abende und das ständige Miteinander dort vielleicht nicht nur eine Belastung, sondern auch eine willkommene Abwechslung gegenüber der manchmal eintretenden Einsamkeit in der eigenen Wohnung?
Was ich sagen möchte, ist, dass du deinen Lebensstandard so oft erhöhen kannst, wie du willst – du wirst dich immer wieder bereits nach kurzer Zeit daran gewöhnt haben, ohne dass sich dein Leben danach spürbar besser anfühlt als vorher.
Auf dem Weg dahin, wirst du allerdings Unmengen an Geld verbrannt haben.
Hinterfrage also deine Ausgaben: Was bringt dir wirklich einen Mehrwert, sowohl emotional als auch materiell? Ist die Investition das wert oder bekomme ich eventuell für weniger Geld denselben oder sogar mehr Output?
Du musst kein extremer Frugalist werden und jeden Euro dreimal umdrehen. Ich verstehe, wenn das manche „überfordert“ in dem Sinne, dass sie sagen, sie möchten sich auch mal was gönnen und nicht nur dem minimalistischsten Lebensstil frönen.
Ein bewusstes Auseinandersetzen mit deinen Ausgaben, eventuell das Führen eines Haushaltsbuches, die Erzielung eines monatlichen Überschusses – das Sparen – und schlussendlich die Investition eines Großteils dieses Sparbetrages, bestenfalls in breit gestreute Indexfonds, werden dich nach und nach aus dem Hamsterrad der Lifestyle-Inflation und knappen Kassen lösen und dich finanziell unabhängiger machen.





