Sommerzeit! Das heißt Urlaubszeit – auch bei uns. Aber wieso: „Normal? Frugal? Scheißegal!“? Tja, bei meinem letzten kleinen Reisebericht habe ich von unserem Kurztrip nach Berlin berichtet und diesen als relativ frugal dargestellt. Die Kosten hielten sich in Grenzen, und einfache Aktivitäten, wie die Stadt per Leihfahrrad zu erkunden, erzeugten eine Menge Glücksgefühle und schöne Erinnerungen.
Selbstverständlich habe ich bei unserem diesjährigen Sommerurlaub auch auf die Kosten geachtet – anders geht es gar nicht bei mir. Nicht aus Geiz, sondern weil es mir Freude bereitet, zu budgetieren und Zahlen zu dokumentieren – ein gruseliges Hobby, ich weiß, aber so hat jeder das Seine.
Ob man diesen Urlaub in der Rückschau allerdings als frugal bezeichnen kann oder nicht – keine Ahnung. Es hätte durchaus noch einiges an Sparpotenzial gegeben, vermutlich selbst ohne Erlebnisabstriche. Aber es ist auch Urlaub und ich schaue schon genug auf die Zahlen. Da muss ich es wirklich nicht auf die Spitze treiben und kann auch einmal Fünfe gerade sein lassen (zum Teil).
Anreise nach Polen: Warum es uns erneut in den Osten zog
Genug der langweiligen Einleitung, ich will endlich von der Reise berichten. Ähnlich wie im letzten Sommer, wo es uns mit dem Auto nach Prag und Warschau verschlug und es uns überraschend gut gefiel, wollten wir daran anknüpfen und erneut nach Osten fahren. Nachdem ich im letzten Jahr nach der Rückkehr bei einigen Bekannten erstaunt darüber berichtet hatte, wie sauber und ordentlich mir Warschau im Vergleich zu einigen west- und südeuropäischen Großstädten vorkam, legten mir diese unter anderem auch Breslau und Krakau als Reiseziele ans Herz.
Ähnlich wie im Jahr zuvor plante ich also eine Kombination beider Städte, was sich aufgrund der Route anbot. Ebenfalls bot es sich bei dieser Reise an, auf eine Entdeckungstour meiner Familienhistorie zu gehen, da meine Oma bis zur Vertreibung 1945 in einem Ort in Oberschlesien aufwuchs. Auch meine Freundin hatte bei diesem Trip ihre Bucket-List, und dort stand der Besuch der Auschwitz-Gedenkstätten drauf, die sich ebenfalls in der Nähe befanden und natürlich jegliche Vorstellungskraft sprengten, aber dazu später vielleicht mehr.
Der für uns roundabout 1.600 Kilometer lange Trip startete an einem schönen, warmen Sommertag mit meinem kleinen Mitsubishi Space Star, den ich in der „Autokosten & Freiheit“-Serie vorgestellt habe.
Frugalismus extrem: Die Sache mit den Benzinkanistern
Nun, ein Frugalist wäre nicht ein Frugalist, wenn er nicht auch versuchen würde, aus so einer Autofahrt „etwas rauszuholen“. 😀
Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, dass meine Freundin mich scheinbar wirklich mag – weil ich glaube, anders wäre nicht zu erklären, dass sie das Folgende so bereitwillig mitmachte…
Fuchs wie ich bin, dachte ich: Bei aktuellen Spritpreisen von um die 2,20 € oder mehr für den Liter E10 in Deutschland könnte ich mir doch leere Benzinkanister für den Rückweg einpacken, um so nach der Rückkehr noch eine Weile den günstigeren polnischen Sprit zu verfahren. Dummerweise waren die Kanister, die ich mit nach Polen nehmen wollte, von meinem Vater in Gebrauch, der ebenfalls (muss wohl in den Genen liegen) in diesen noch den günstigeren Sprit aus Zeiten des Tankrabattes bunkerte. 😀
Vater und Sohn machten sich also daran, das Benzin aus den handlichen Kanistern in andere Behältnisse zu füllen. Das war nicht unser erstes Mal, aber wer schon mal mit Diesel oder Benzin so „rumgepanscht“ hat, weiß: Ein paar Tropfen gehen immer daneben und der Geruch hält sich hartnäckig.

Nun, stelle dir an dieser Stelle diesen penetranten Geruch an einem warmen Sommertag im Auto vor. 😊 Die beste Voraussetzung für eine lange Autofahrt, oder?
Lange Autofahrt ist übrigens nicht übertrieben. An anderer Stelle, habe ich bereits von meinem Fahrstil geschrieben – spritsparend, verschleißarm – Kritiker würden „langsam“ sagen. 😊
Ich mache es nicht besser, oder? Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen: Neben den Kostenfaktoren bin ich als Autobahnpolizist einfach unfall- und pannengeschädigt und ich habe im Urlaub einfach keinen Bock auf die Scheiße, also fahre ich extra vorausschauend. Sorry an die anderen Verkehrsteilnehmer, falls ich euch genervt habe.
Stopp 1: Breslau (Wroclaw) – Hotel, Kosten und die ersten Impressionen
Irgendwann erreichten wir dennoch, sogar mit verhältnismäßig wenig Benzingeruch-Kopfschmerzen, Breslau. Drei Nächte im 3-Sterne-Invite-Aparthotel, Doppelzimmer inklusive Frühstück für 237,86 €.
Das Hotel machte einen sauberen und modernen Eindruck und wir waren voll zufrieden. Als unerwartete Extras verfügte das Zimmer über eine voll ausgestattete Küchenzeile sowie einen Balkon. Das Parken kostete selbstverständlich extra – 50 Zloty pro Tag, also umgerechnet 34,88 € für unseren gesamten Aufenthalt.
Eingangs meinte ich, dass es während des Urlaubs durchaus noch mehr Einsparpotenzial gegeben hätte, wenn man es frugal auf die Spitze treiben wollte. Damit meinte ich unter anderem, dass man z. B. die Küche im Zimmer hätte nutzen können. Dies haben wir aber nie getan und sind während des gesamten Urlaubs jeden Tag in Restaurants essen gewesen. So auch am Abend unserer Ankunft.




Abkühlung im Wasserpark Wrcolaw & kulinarische Enttäuschungen
Am nächsten Morgen stand nach einem wirklich guten Frühstück (mein Highlight war roher Thunfisch und natürlich Hotelklassiker wie Pancakes etc. – ich kriege schon wieder Hunger) ein Besuch des Wasserparks Wrcolaw auf dem Plan. Es waren, wie fast jeden Tag unseres Urlaubs, über 30 Grad und der Park lag fast um die Ecke des Hotels. Eine willkommene Abkühlung also. Der Park ist wirklich groß, zentral in der Stadt gelegen und bietet reichlich Unterhaltung für Groß und Klein. Falls du die Möglichkeit hast, versuche allerdings die polnische Ferienzeit zu meiden – es war insbesondere bei den Rutschen schon arg voll.
Das Ticket kostet für den ganzen Tag (inklusive aller Zonen sowie Fitness und Sauna) 120 Zloty pro Erwachsenem, also 48,73 € für uns beide.
Nach dem Wasserpark hieß es: Zurück zum Hotel, fertig machen und fußläufig ab in die Altstadt. Wir machen im Urlaub fast immer so um die 20.000 Schritte am Tag – gut für die Gesundheit und es schont den Geldbeutel, auch wenn der öffentliche Nahverkehr in beiden Städten wirklich nicht viel kostet. In Breslau nutzten wir insgesamt nur zweimal die Straßenbahn und ein 15-Minuten-Ticket kostete umgerechnet etwa 0,75 € pro Person – sparte uns dann aber jeweils einen kilometerlangen Marsch.
Ausgezehrt vom Wasserpark und unserem Fußweg in die Altstadt kehrten wir auf dem zentralen Rynek Wroclaw in die ach so deutsch klingende „Bierhalle“ ein. Mit bayerischen Trachten und Maßkrügen verbanden wir die Art von deftigem und üppigem Essen, nach der wir beide uns nun verzehrten. Am Nachbartisch grölte eine zwölfköpfige Gruppe englischer Touristen, die Junggesellenabschied feierten, aber das interessierte uns nicht und sorgte für etwas Aufmunterung. Das Essen tat es nämlich leider nicht. Wir teilten uns eine wirklich gute Vorspeise, aber die Hauptgänge waren enttäuschend. Sehr kleine Portionen und die armen Tiere mussten mehrfach sterben, so trocken war das Fleisch.
Aber wie sagt man an der Börse: „Die Welt geht selten unter.“
Und so war es auch hier.
Glücklicherweise verhungert man heutzutage selten und so stillte ich auf dem gemütlichen Heimweg durch die Altstadt meinen Hunger mit lokalem Streetfood. Ende gut, alles gut.


Altstadt-Erkundung bei 35 Grad
Neuer Tag, neues Glück, letzter Tag in Breslau. Die Sonne steht hoch, es sind 35 Grad und wir wollen die historische Altstadt etwas erkunden. Hier ein paar Impressionen…










Bei dem Wetter war unser übliches Laufpensum schon sehr fordernd, aber glücklicherweise verfügten auf unserer Reise zahlreiche Geschäfte über Klimaanlagen, die kurze Abkühlung boten. In der Nähe der Oder tat es auch die Hala Targowa mit Spezialitäten aus allen Herren Ländern, die allein durch ihr dickes Gemäuer für angenehmere Temperaturen sorgte.
Direkt nebenan fanden wir dann auch das Lokal für unser Abendessen: Targowa – Craft Beer and Food.

Glücklich und vollgefuttert machten wir uns auf den Rückweg zum Hotel, denn am nächsten Morgen stand das zweite, für uns etwas spannendere Kapitel der Reise an.
Spurensuche Oberschlesien: Familienhistorie & Zeitgeschichte
Nach dem gewohnt guten Frühstück war die erste Station auf dem Weg nach Krakau ein Zwischenstopp in dem Heimatort meiner Oma, den sie nach 1945 auch nie wieder besuchte. Zu ihrer Zeit hieß der Ort Heydebreck (zuvor Kandrzin; polnisch Kędzierzyn) – einen Namen, den er erst im Jahre 1934 erlangte, benannt nach dem Freikorpsführer und Gründer der oberschlesischen SA Peter von Heydebreck, der in den Kämpfen um den nahegelegenen St. Annaberg von 1921 erfolgreich gewesen war und Kandrzin von polnischen Aufständischen zurückerobert hatte. Den Namen trug der Ort seltsamerweise bis Kriegsende, obwohl Peter von Heydebreck drei Monate nach der Namensgebung für den Ort bereits im Zuge des Röhm-Putsches hingerichtet wurde. Dass dieser Name in unserer Familie kurioserweise so lange Bestand hatte, liegt wohl am Alter meiner Oma zur damaligen Zeit. Sie ist schlichtweg mit dem Namen aufgewachsen, bis sie fliehen musste. Sie kannte ihren Heimatort vermutlich nur unter dieser Bezeichnung.
Heute erinnert vermutlich wenig an das damalige Kandrzin oder Heydebreck, da der Ort 1975 mit weiteren Städten zu dem Ort Kędzierzyn-Koźle verschmolz. Ich hatte daher wenig bis keine Anhaltspunkte, nach Orten ihrer Jugendzeit zu suchen. Dennoch war es schön, sich auf diese kleine Reise in die Familienhistorie zu begeben.

Der Sendeturm in Gleiwitz
Ein weiterer spannender Zwischenstopp auf dem Weg nach Krakau war Gleiwitz (polnisch Gliwice). Wer damals im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, weiß, dass mit dem Überfall auf den Sender Gleiwitz am 31.08.1939 der Vorwand geschaffen wurde, um am Folgetag den Zweiten Weltkrieg zu beginnen. Wir besichtigten den Sendeturm, welcher der höchste Holzturm der Welt ist, und das Denkmal, allerdings nicht das dazugehörige Museum.

Wenn man geschichtlich interessiert ist und sowieso auf der Ecke ist, kann man es sich durchaus mal anschauen. Lange verblieben wir dort allerdings nicht. Vielmehr packte mich die Vorstellung, wie dicht all diese Orte beieinander lagen. Von Kędzierzyn-Koźle bis zum Sender Gleiwitz waren es mal gerade 35 Kilometer Autofahrt. Ich fragte mich, wie und ob Menschen wie meine Oma damals wahrnahmen, dass quasi vor ihrer Haustür der größte Konflikt der Menschheitsgeschichte ausbrach. Später auf der Reise verstand ich auch erst, dass auch die Vernichtungslager von Auschwitz gerade einmal in einer Entfernung von 100 Kilometern lagen. Ja, 100 Kilometer sind weit, aber eben auch nur 100 Kilometer. Sprachen die Menschen damals in ihrem Alltag darüber? Wussten sie, was gar nicht so weit von ihnen geschah? Das sind Fragen, die mich in meinem Kopf faszinieren und die ich gerne beantwortet hätte.
Da der gesamte Reisebericht ausführlicher wurde, als ich ursprünglich plante, habe ich hier einen kleinen Cut gemacht und den zweiten Teil der Reise in einen separaten Artikel gepackt. Falls du also erfahren möchtest, wie sich unser weiterer Urlaub gestaltete, wie die Gesamtkosten für diesen Trip aussehen und welches Fazit ich ziehe, schau auch in Teil 2 vorbei.
Hier geht es direkt zu Teil 2: Krakau, Auschwitz & das Finanz-Fazit





