Vom Tellerwäscher zum Millionär? Warum ich mir mein Branding nicht schlechtreden lasse

Ein „Road Closed“-Schild auf einer Absperrung vor Sanddünen, das die Grenzen der Kritik am Finanzblog markiert.

Liebe Leserinnen und Leser, meine Damen und Herren,

ich darf Sie beglückwünschen, denn wenn Sie diese Zeilen lesen, sind Sie Teil einer kleinen, ausgewählten Gruppe von Menschen, die das Privileg und Glück haben, auf der schlechtesten Website zu landen, die sie jemals sehen werden. Mit dieser „Titulierung“ startete zumindest eine sehr erbauliche Nachricht, die ich kürzlich in meinem Postfach fand…

Tja, was soll ich sagen… Erstmal wusste ich gar nicht, wie mir geschieht – ich muss dazu sagen, ich bin eine Person, die dazu neigt, vieles zu „zerdenken“, und so auch hier. Wieso schreibt mir jemand so etwas? Hab ich ihm was getan? Welcher Mensch nimmt sich die Zeit, eine Website zu besuchen, nur um dem Host dieser Seite danach zu schreiben, wie kacke er diese Seite findet? Warum verlässt er die Seite nicht einfach wieder, wenn sie ihm nicht zusagt? Fragen über Fragen, die sich in meinem Kopf auftaten…

Es ging allerdings noch weiter, und es wurde darauf eingegangen, dass ihm die Optik und Struktur der Seite nicht gefallen und ein „Besucher“ zu lange brauche, um zu verstehen, was ich eigentlich mit der Seite bezwecken möchte, und wenn der „Besucher“ es dann verstanden habe, würde jeder, „der sich die Hose nicht mit der Kneifzange anzieht“, sogleich bemerken, dass ich völlig unglaubwürdig in meinen Äußerungen und Darstellungen sei.

Neugierig und naiv wie ich bin, bedankte ich mich dennoch für das Feedback und hakte bei den Punkten nach, die ich einfach nicht verstehen wollte.

Warum ich dankbar für Feedback bin

Ein kleiner Einschub, weil meine Partnerin bereits an dieser Stelle fragte, ob ich eigentlich völlig bescheuert sei, auf so eine Nachricht überhaupt zu antworten und mich dann auch noch für das „Feedback“ zu bedanken: Ich bin in dieser „Bloggerszene“ völlig neu. Außer dem gelegentlichen Lesen von typischen, bekannten deutschen Finanzblogs wie Frugalisten.de oder TimSchäferMedia.com und neuerdings auch DerFinanznomade.de, den ich erst durch die Erstellung meines eigenen Blogs kennengelernt habe – genauso wie die diversen Blogrolls, die ich auch erst jetzt hin und wieder durchstöbere –, ist das alles völliges Neuland für mich.

Bis dato hatte ich auch keinerlei Social-Media-Accounts, und vom Erstellen einer Website oder jeglichen anderen IT-Skills, die gefühlt über das Schreiben einer E-Mail hinausgehen, hatte ich erst recht keine Ahnung. Ich wohnte also ganz weit hinter dem Mond und erstellte diese Website wochenlang mit Hilfe von YouTube-Tutorials.

Kurzum: Ich war/bin einfach unsicher bezüglich meiner Arbeit hier, und da ich bei meinem autodidaktischen Ansatz logischerweise nicht von einer perfekten Punktlandung bei meiner ersten Website ausgehen kann, bin ich an Feedback interessiert. Mein Ansatz war, dass ein Außenstehender vielleicht Dinge sieht, die ich übersehe. Schließlich kenne ich die Struktur meiner Seite und weiß auch, was ich mit dieser bezwecken möchte – Dinge, die sich ein fremder Besucher erst erarbeiten muss.

Der „Ich-piss-dir-ans-Bein“-Ton im Internet

Was allerdings völlig neu war für mich – einen geübten Social-Media-Nutzer aber scheinbar gar nicht mehr überrascht – war der asoziale „Ich-piss-dir-ans-Bein“-Ton, „einfach weil ich Langeweile habe und es kann“. Das ergab keinen Sinn für mich.

Wer mich und meinen Blog mittlerweile etwas kennt, weiß, dass ich viel in der Gastronomie gearbeitet habe und arbeite, und ich stelle mir vor, jemand würde das Lokal betreten und seine ersten Worte wären an mich: „Das ist ja das größte Dreckslokal, das ich jemals gesehen habe!“ – Was für eine Begrüßung! Das Gespräch und sein „Besuch“ wären sofort beendet, und er könnte seinen Hunger woanders stillen. Verlorener Umsatz hin oder her – es gibt Grenzen dessen, was man sich bieten lassen muss.

Hier reagierte ich anders. Warum? Vermutlich einfach aus Unsicherheit und Neugier. Vielleicht war es nicht die souveränste Reaktion meinerseits – schließlich sollte man auch mit einem gewissen Stolz und Selbstbewusstsein hinter seiner Arbeit stehen, gerade wenn ich bedenke, wo mein Ausgangspunkt war -, aber ich bin nun mal auch nur ein Mensch und nicht immer der Schlagfertigste…

Nun, tatsächlich erhielt ich aber eine Antwort, und die Kritik wurde auch präzisiert. Ein Widerspruch, der dem Besucher sogleich auffiel, war, dass, „wenn ich wirklich Geld hätte“ (wie ich mit der Seite seiner Meinung nach suggeriere), ich mir die Website ja nicht selbst gebaut hätte (wie ich es getan habe), sondern ich hätte einfach mal 2.500 € in die Hand genommen und sie von einem Profi erstellen lassen. Er seinerseits hätte noch keine Million zusammen, dafür aber trotzdem eine geile Website und einen geilen „Funnel“ (das Wort kannte ich bis dahin nicht mal). – Glückwunsch! Von Herzen, wirklich!

An dieser Stelle fragte ich mich kurz, wie viel er von meiner Seite wirklich gesehen hat und ob er das Konzept von Sparsamkeit und Frugalismus (eines meiner Kernthemen hier) wirklich verstanden habe. Ich erläuterte ihm auch, dass es sich hier um einen persönlichen Blog handeln würde, bis dato ein reines Hobby, und ich auch in Zukunft nicht beabsichtigen würde, hier irgendetwas zu verkaufen. Eine Investition von 2.500 € in ein Projekt, von dem keine bis geringe Rückflüsse zu erwarten sind, sei für mich ausgeschlossen.

Nun, meine Argumente zogen nur bedingt, und er riet mir sogleich, mein Branding zu überarbeiten. Nach dem Motto: „Rags to Riches“ und „finanzielle Freiheit“ – da musst du nochmal ran. Das sind zu große Versprechen.

Meine Story, mein Blog, meine Regeln

Was soll ich sagen? Es ging noch eine Weile weiter, und bei manchen Punkten konnte ich ihm sogar teilweise zustimmen: „Wenn ich schon dieses Branding wähle, sollte ich mehr Details liefern“, sodass die Rags-to-Riches-Story nicht nur eine Geschichte ist, sondern auch Substanz hat, die einen Mehrwert liefert und mir die Leute so ihr Vertrauen schenken.

That‘s a good point! ABER: Ich hoffe, ich darf auf diesem Blog mündige Leser willkommen heißen, die verstehen, dass MEINE Rags-to-Riches-Story nur eine von vielen ist. Niemand soll versuchen, meinen Weg 1:1 nachzuahmen. Wer das will: Go for it! Würde ich es empfehlen? Nein, bitte sei schlauer als ich!

Ich gebe hier nur ein Beispiel mit meinen Erfahrungen und Erlebnissen und durchaus auch mit persönlichen Details (wenn mein netter Kritiker mal z.B. die „Wohnkosten & Freiheit“– und „Autokosten & Freiheit“-Serie gelesen hätte; viele weitere Artikel werden sicher noch folgen). Aber vor allem gebe ich hier allgemeingültige, schlichte Tipps für einen langfristigen Vermögensaufbau für jedermann. Ich möchte meinen Lesern Ansätze liefern für ein freies und selbstbestimmtes Leben, dafür, Altersarmut zu verhindern, und für die ganz Ambitionierten den Weg in die finanzielle Freiheit zeichnen.

Diese Tipps sind nicht an meine Geschichte gebunden und bedürfen meiner Meinung nach keines großen Vertrauensvorschusses. Wie gesagt, ich verkaufe hier nichts. Du kannst meine Artikel lesen, sie gut oder scheiße finden, dir etwas daraus mitnehmen, wenn du es gebrauchen kannst, und weiterziehen. Du bist mir als Leser/Konsument keine Rechenschaft schuldig, und ich habe auch keine Erwartungen an dich – außer einem höflichen und respektvollen Umgang mit anderen Lesern und/oder Kommentatoren und mir und meiner Arbeit hier.

Mehr ist es nicht.

Und nochmal zum Branding: Ich finde „Rags to Riches – Vom Tellerwäscher zum Millionär!“ und das Versprechen von „finanzieller Freiheit“ nicht zu hoch gegriffen. Auf der „Über mich“-Seite erkläre ich, warum ich von dem „American Dream“ fasziniert bin, und ich glaube ganz fest daran, dass, wenn man den unbedingten Willen dazu hat, dieses Aufstiegsversprechen auch weiterhin gilt.

Wenn ein Kritiker sich an diesem Branding stößt, dann quatsch mich bitte nicht voll und geh einfach weiter, weil am Ende ist das meine Website, und ich nenne sie, wie ich das möchte.

P.S.: Konstruktiver Austausch und inhaltliche Kritik sind hier natürlich herzlich willkommen.

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