Wie sieht die aktuelle Vermögensverteilung in Deutschland nach Alter aus? Während offizielle Statistiken meist nur das Haushaltsvermögen zeigen, beleuchtet dieser Vergleich auch das individuelle Nettovermögen von Einzelpersonen.
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In meinem Blog geht es immer wieder darum, sich mit den eigenen Finanzen zu beschäftigen, damit du so eine gewisse Unabhängigkeit und Freiheit erlangst. Es geht darum, dich von typischen Konsumzwängen zu befreien, die dir allzu oft in der Werbung, auf Social Media oder in deinem direkten Umfeld suggeriert werden. Denn diese Zwänge sind es meist, die dich im typischen Hamsterrad aus Arbeit, Konsum und oftmals Unzufriedenheit halten. Darüber hinaus kann ein solches Verhalten in Anbetracht der Schwächen unseres umlagefinanzierten Rentensystems zu Altersarmut führen, wenn du nicht zusätzlich privat für das Alter vorsorgst.
Warum der Vergleich mit anderen beim Vermögensaufbau hilft
Dies sind Punkte, die ich schon in vielen Artikeln erwähnt habe, um dich auf die aufgeführten Umstände aufmerksam zu machen. Vielleicht hast du viele davon bereits gelesen und möglicherweise einige Punkte umgesetzt und so die richtigen Weichen für ein freies und selbstbestimmtes Leben gestellt.
Irgendwann kommst du aber sicher an den Punkt, an dem du einmal wissen möchtest, ob sich die ganze Mühe bis hierher schon ausgezahlt hat (keine Bange, das hat sie ganz sicher) und an welchem Punkt du stehst – nicht nur auf deiner eigenen Reise, sondern auch im Vergleich zu anderen.
Im Klartext heißt das: Wir schauen uns die Vermögensverteilung in Deutschland an.
Vorab: Ich weiß, die Menschen vergleichen sich gerne, aber vergiss nie, dass jeder mit unterschiedlichen Voraussetzungen startet.
- Der eine kommt vielleicht aus einer wohlhabenden Familie, dem alle Türen in Sachen Bildung, Unterstützung aus dem Elternhaus und Vermögensaufbau offenstehen. Der nächste muss sich vielleicht all diese Dinge selbst erarbeiten und macht kleinere und langsamere Schritte.
- Dein Wohnort kann außerdem einen enormen Einfluss auf deine Lebenshaltungskosten haben und auch auf dein Einkommen.
- Es macht einen Unterschied, ob du als junger Mensch eine Ausbildung gemacht hast oder ein Studium. Der eine verdient dann eventuell in seinen 20ern bereits aktiv Geld, während es beim Studenten auch mal erst in den 30ern richtig losgehen kann.
- Eine Person interessiert sich stark für Finanzen und beginnt sehr früh mit dem Investieren, während eine andere erst im höheren Alter oder gar nicht den Zugang zu diesem Thema findet.
- Ein weiterer großer Einflussfaktor ist das West-Ost-Gefälle, was immer noch einen großen Unterschied macht. In der DDR war die Vermögensbildung einfach nicht im gleichen Maße möglich wie in der BRD, was selbstverständlich Einfluss auf Vermögen und Erbe hat.
Du siehst, es gibt unendliche – und neben den typischen wie Steuern, Abgaben, Einkommen und Vermögen auch höchst persönliche – Einflussfaktoren auf die Vermögensverteilung in Deutschland.
Noch dazu sollte bei diesem Vergleich nicht vergessen werden – und das ist wichtig, weil es manchmal in solchen Dingen untergehen kann: Es ist nur Geld, also übertreibe das Vergleichen nicht; es gibt auch noch andere Dinge, die wichtig sind.
Nichtsdestotrotz kann eine solche Übersicht das eigene Verhalten und Vermögen auch in einen Kontext setzen und dabei helfen, finanzielle Ziele zu setzen.
Definitionen: Was zählt eigentlich zum Nettovermögen?
Nun, genug der einleitenden Kontextualisierung – was schauen wir uns an?
Auf die bloße Vermögensverteilung zu schauen, wird uns nicht weit bringen, denn logischerweise variiert das Vermögen zwischen den Altersgruppen sehr stark. Ein älterer Mensch hat meist mehr Vermögen als ein jüngerer, was ganz einfach der Tatsache geschuldet ist, dass er durch die längere Lebenszeit entsprechend mehr Zeit hatte, dieses aufzubauen.
Vermögensaufbau dauert nun einmal lange, oftmals ein ganzes Arbeitsleben.
Erst danach, im Ruhestand, beginnt es statistisch gesehen wieder zu schmelzen, weil das Arbeitseinkommen wegfällt.
Deshalb werden wir hier nicht das Nettovermögen mit dem Durchschnittswert der Gesamtbevölkerung, sondern mit dem Nettovermögenswert der Altersgruppe vergleichen, der man angehört.
Doch hierfür brauchen wir zunächst ein paar Einordnungen und Definitionen, damit wir ganz sicher gehen können, worüber wir reden, um uns auch auf der richtigen Datenbasis vergleichen zu können. Denn das ist oftmals gar nicht so leicht, weil hierfür die unterschiedlichsten Zahlen kursieren.
Grundlegend für einen Vermögensvergleich ist, dass zunächst einmal definiert wird, was Vermögen ist – und hier schauen wir auf das Nettovermögen, das heißt alle materiellen und finanziellen Werte, die dir oder deinem Haushalt nach Abzug von Verbindlichkeiten zur Verfügung stehen.
Dazu zählen beispielsweise:
- Immobilien
- Bankguthaben (Giro-, Tages, Festgeldkonten usw.)
- Wertpapiere wie Anleihen und Aktien
- Ansprüche aus betrieblicher Altersvorsorge
- Sachwerte wie Fahrzeuge und Hausrat
- Versicherungen
Unberücksichtigt bleiben dein Einkommen oder gesetzliche Renten- und/oder Pensionsansprüche.
Unter Verbindlichkeiten fallen ganz einfach alle Arten von ausstehenden Zahlungen wie:
- offene Kredite für Immobilien,
- Ratenzahlungen für Fahrzeuge oder
- das überzogene Girokonto.
Warum der „Bezos-Effekt“ den klassischen Durchschnitt verzerrt
Den nächsten Begriff, den wir uns genauer anschauen müssen, ist: Durchschnitt.
Von diesem Wort ist nämlich meistens im Alltag die Rede. Die Leute möchten das Durchschnittseinkommen oder das Durchschnittsvermögen erfahren, dies ist aber ein Trugschluss! Durchschnittswerte werden verzerrt! Besonders hohe Einkommen oder Vermögen beeinflussen diese Werte so stark, dass von ihnen kaum eine Aussagekraft ausgeht.
Um es mal beispielhaft zu sagen:
Wenn Jeff Bezos in eine Kneipe geht, ist jeder dort im Durchschnitt Milliardär. Das hilft den anderen Gästen aber nicht bei der Miete.
Deshalb redet man in der Wissenschaft und auch wir hier, in der Folge, vom Median und von Perzentilen. Der Median ist quasi der bessere Durchschnitt. Das heißt, wenn wir beim Vermögen bleiben, dass eine Hälfte der Bevölkerung mehr Vermögen hat und die andere entsprechend weniger. Der Medianwert ist also genau die Mitte!
Perzentile erklärt: Wo stehst du im Vergleich zu deiner Alterskohorte?
Bei den Perzentilen ist es ähnlich. Wenn du dich, später in der Übersicht, zum Beispiel im 90 %-Perzentil deiner Altersgruppe verortest, bedeutet das, dass du zu den reichsten 10 % deiner Altersgruppe gehörst. Bist du stattdessen im 10 %-Perzentil, sind 90 % deiner Kohorte wohlhabender als du. Der Median wäre demnach das 50 %-Perzentil.
Haushaltsvermögen vs. Einzelvermögen: Wo liegt der Unterschied?
Der letzte Knackpunkt, bevor wir in die tatsächlichen Daten gehen können, betrifft die Erhebung dieser und was sie genau aussagen. Meistens wird nämlich in den Statistiken immer das Haushaltsvermögen kommuniziert.
Das macht auch Sinn, denn wenn bei dir jemand anruft und nach deinem Vermögen fragt und du mit deinem Partner oder deiner Partnerin und eventuell Kindern einen Haushalt bildest, würdest du dort immer das gemeinsame Vermögen angeben – einfach aus dem Grund, weil es schwer sauber auseinanderzudividieren wäre.
Beispiele wären der gemeinsame Immobilienbesitz oder der Hausstand. Fragen wie: „Wie viel steht wem rechtlich zu?“ würden es äußerst kompliziert machen.
Weiterhin dient das Vermögen oftmals als Gradmesser für den Lebensstandard. In einem Haushalt, in dem eine Person der Haupteinkommensbezieher ist und die andere Person beispielsweise nicht oder in geringem Umfang berufstätig ist, haben beide dennoch dasselbe Niveau des Lebensstandards, weil die Haushaltsressourcen geteilt werden.
Die Problematik der statistischen Verzerrung in Haushalten
Das Problem bei dieser Darstellung:
- Verschleierung von Ungleichheit: Innerhalb eines Haushalts wird die Ungleichheit zwischen Partnern unsichtbar (Gender Wealth Gap – die Vermögenslücke zwischen Männern und Frauen).
- Singles vs. Familien: Ein 30-jähriger Single wirkt in der Statistik oft ärmer als ein 30-jähriger in einer Partnerschaft, einfach weil die Haushaltsgröße nicht immer „pro Kopf“ herausgerechnet wird.
Dennoch ist diese Herangehensweise die am meisten verbreitete und rezitierte Variante bei der Betrachtung der Vermögensverteilung.
Wenn man allerdings einen ganzen Haushalt und nicht das Einzelvermögen betrachtet, wie bestimmt man dann die Altersgruppe bei einer Familie bestehend aus Vater, Mutter und Kindern, noch dazu, wenn Vater und Mutter nicht einmal in einer identischen Alterskohorte wären? Ganz einfach: Hier hat man sich darauf geeinigt, das Alter des Haupteinkommensbeziehers als Grundlage heranzuziehen.
Datenquellen: Die PHF-Studie der Bundesbank und das SOEP
Die Datenquelle für diese Art der Erhebung der Vermögensverteilung ist das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) und die deutsche Bundesbank mit ihrer Studie „Private Haushalte und ihre Finanzen“ (PHF).
Nun hat diese Form der Datenerhebung natürlich Schwächen, wie oben aufgeführt. Weiterhin ist das mit dem Haushaltsvermögen auch immer so eine Sache – einerseits ist es eine saubere Darstellungsform, weil, wie bereits erwähnt, oftmals dieselben Ressourcen von mehreren Personen genutzt werden. Andererseits möchtest du vermutlich schon mal ganz gerne wissen, wo DU als Einzelperson im Vermögensverteilungsranking stehst. Schließlich existierst du auch als Individuum und besitzt eigenes Vermögen, welches du auch als solches betrachtest.
Glücklicherweise gibt es auch hier ein Institut, das sich damit befasst, und zwar das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) mit seinem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP).
Zur kurzen Erläuterung: Das Wort „Panel“ bedeutet in der Forschung einfach, dass man nicht jedes Mal neue, zufällige Leute befragt, sondern immer wieder dieselben Personen und Haushalte. Man muss es sich wie eine riesige Langzeit-Beobachtung vorstellen. Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist beispielsweise eine der größten und am längsten laufenden Panelstudien weltweit und wird seit 1984 durchgeführt.
Sowohl die Bundesbank, als auch das DIW Berlin – also PHF (Haushalte) und SOEP (Einzelpersonen) – arbeiten mit Paneldaten.
In Abgrenzung zu den Haushaltsdaten der PHF-Studie sind die SOEP-Daten, wie gesagt, deshalb so wertvoll, weil jedes Haushaltsmitglied einzeln befragt wird.
Ein Beispiel: In einer Statistik, die an die PHF-Daten angelehnt ist, steht oft nur: „Haushalt Müller hat 100.000 €“. Das SOEP weiß hingegen: „Herr Müller hat 90.000 €, Frau Müller hat 10.000 €“.
Nur so lässt sich zum Beispiel der Gender Wealth Gap oder die Vermögensverteilung nach exaktem Alter (nicht nur nach dem Alter des Haupteinkommensbeziehers) berechnen.
Die Zahlen: So sieht das Haushaltsvermögen in Deutschland nach Alter aus
Ok, wir haben nun geklärt, was unter den Begriff Vermögen fällt, dass wir uns den Median beziehungsweise verschiedene Perzentile anschauen wollen und welche unterschiedlichen Betrachtungs- bzw. Datenerhebungsmethoden es gibt. Das Grundgerüst steht.
Gehen wir nun in die ersten Zahlen und starten wieder mit dem Haushaltsvermögen, von der PHF-Studie und dem IW Köln – also den prominentesten Daten zur Vermögensverteilung in Deutschland.
Hierfür habe ich eine interaktive Grafik für dich. Auf der x-Achse findest du die verschiedenen Altersgruppen, von unter 35 bis über 75 Jahren. Die Haushaltsnettovermögen wurden dabei in die jeweiligen Perzentile unterteilt (Erinnerung: Ein 90 %-Perzentil beispielsweise bedeutet, dass 90 % ärmer sind als du). Denke außerdem daran: Die Altersgruppe entspricht dem Alter des Haupteinkommensbeziehers. Auf der y-Achse sind die entsprechenden Vermögenswerte abgebildet.
Vermögensverteilung nach Altersgruppen (PHF-Studie)
Da so eine Grafik auch mal leicht unübersichtlich sein kann, habe ich hier nochmal eine tabellarische Darstellung des Medianvermögens und des 90%-Perzentils je Altersgruppe.
| Alter | Median | 90%-Perzentil |
|---|---|---|
| unter 35 | 17.300 € | 200.400 € |
| 35-44 | 75.500 € | 583.100 € |
| 45-54 | 146.200 € | 918.900 € |
| 55-64 | 241.100 € | 1.061.200 € |
| 65-74 | 193.300 € | 1.019.800 € |
| Über 75 | 172.500 € | 767.700 € |
| Gesamt | 103.100 € | 777.200 € |
Schaust du dir die Zahlen an, wird dir auffallen, dass die Höhe und die Verteilung des Vermögens sich je nach Altersgruppe deutlich unterscheiden – diesen Punkt haben wir bereits am Anfang gemacht. Während des Arbeitslebens steigt das Haushaltsvermögen kontinuierlich an, während es im Rentenalter wieder leicht zu sinken beginnt. In konkreten Zahlen bedeutet das, dass in der Vergleichsgruppe der unter 35-Jährigen 17.300 Euro reichen, um zur vermögensreicheren Hälfte zu gehören, während es bei den 55- bis 64-Jährigen 241.100 Euro sind.
Warum die Ungleichheit mit zunehmendem Alter abnimmt
Außerdem ist zu beobachten, dass die relative Ungleichheit innerhalb der Vergleichsgruppe mit zunehmendem Alter abnimmt.
Braucht ein Haushalt, um zu den oberen 10 Prozent der unter 35-Jährigen zu gehören, beinahe das Zwölffache des Medianvermögens seiner Altersgruppe, liegt das Verhältnis bei den 55- bis 64-Jährigen mit etwas mehr als dem Vierfachen, deutlich niedriger.
Die Vermögensungleichheit nimmt also mit dem Alter ab.
Als kleiner Side-Fact: Diese Vermögensungleichheit wird über den sogenannten Gini-Koeffizienten dargestellt. Eine Zahl von 0 bedeutet dabei, dass alle Menschen in einer Gesellschaft exakt gleich viel besitzen, während eine Zahl von 1 bedeutet, dass ein Mensch alles besitzt und der Rest nichts.
In dieser Darstellung liegt der Gini-Koeffizient für die unter 35-Jährigen bei 0,83, während es bei der Altersgruppe 55 bis 64 Jahre 0,63 sind. Im Durchschnitt aller Haushalte liegt er bei 0,724.
Nach dieser Datenlage gehören den oberen 10 % der Haushalte 54 % des Vermögens und der unteren Hälfte der Haushalte nur ca. 3 %.

Unter der Hinzuschätzung von sehr vermögenden Haushalten laut der verteilungsbasierten Vermögensbilanz gehören den oberen 10 % sogar 60,5 %.
Das Medianvermögen über alle privaten Haushalte und Altersgruppen hinweg lag übrigens bei rund 103.100 Euro in Deutschland.
Um diese Daten noch etwas genauer einzuordnen, muss angeführt werden, dass diese zwischen Mai 2023 und Februar 2024 erhoben und im April 2025 veröffentlicht wurden. 3.985 Haushalte wurden hierbei nach ihrer Vermögens- und Schuldensituation befragt. Eine solche Studie erfolgt dabei alle 3 Jahre.
Die individuelle Perspektive: Das Nettovermögen von Einzelpersonen (SOEP)
Hier, oder bereits vorher, hören viele Betrachtungsweisen in typischen Medien, Blogartikeln oder Ähnlichem auf. Wie bereits beschrieben, sind diese Haushaltsdaten die am meisten rezitierten, wenn man sich mit der Vermögensverteilung beschäftigt.
Ich habe aber bereits erwähnt, warum mir diese Betrachtungsweise nicht ganz genügt und ich – und du sicher auch – einen Einblick in die individuellere Ebene haben möchte. Das ganze Thema ist schon sehr komplex, erst recht, wenn man versucht, sich durch die Auszüge der einzelnen Studien zu lesen und sich mit der Erhebung dieser Daten beschäftigt. Aber umso wichtiger ist es, dass ich wenigstens versuche, ein Bild zu zeichnen, welches den realen Zahlen möglichst nahekommt. Schließlich wollen wir doch möglichst genau wissen, wo wir stehen.
Deshalb geht es nun in die Zahlen des DIW Berlin mit dem SOEP.
Vorab zur Aktualität dieser rezitierten Daten: Ich beziehe mich hier stets auf das Standard-SOEP von 2017 und auf eine Hochvermögenden-Zusatzstichprobe von 2019. Veröffentlicht wurden diese im Jahr 2020. Dies sind nach aktuellem Stand der Wissenschaft die präzisesten und detailliertesten Werte für das individuelle Nettovermögen von Einzelpersonen in Deutschland.
Das Standard-SOEP befragt dabei jedes Jahr 30.000 Personen ab einem Alter von 17 Jahren.
Die Hochvermögenden-Zusatzstichprobe von 2019 befragte zudem gezielt Multimillionäre und zog Daten über Milliardäre in Deutschland aus dem Manager-Magazin heran, weil diese oft in Datenquellen fehlten. Ältere oder einfachere Studien unterschätzten das Vermögen, insbesondere des 90 %- oder 99 %-Perzentils massiv.
Im Ergebnis zeigt sich, abweichend von den oben erwähnten PHF-Studiendaten von 54 %, dass die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung einen Anteil am Nettogesamtvermögen von rund 67 % halten und das reichste ein Prozent einen Anteil von 35 %.
Im Gegensatz dazu verfügt die untere Hälfte der Bevölkerung über weniger als 1,5 % des Gesamtvermögens.
Du siehst, es bestehen also schon teilweise deutliche Unterschiede durch die Art der Erhebung der Daten und wen beziehungsweise wie zielgerichtet man befragt.
Tabelle: Individuelles Nettovermögen in Deutschland
Die folgende Aufbereitung zeigt das individuelle Nettovermögen der Gesamtbevölkerung im Detail:
| Perzentil | Wert (Schätzung) | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1 % | –22.260 € | Die untersten 1 % haben Schulden in dieser Höhe. |
| 5 % | –3.000 € | Die untersten 5 % sind mit mindestens 3.000 € verschuldet. |
| 10 % | 0 € | Die unteren 10 % besitzen kein Vermögen. |
| 25 % | 0 € | Auch das untere Viertel besitzt netto 0 €. |
| 50 % (Median) | 22.800 € | Die exakte Mitte der Bevölkerung. |
| 75 % | 126.000 € | Ab hier gehört man zum reichsten Viertel. |
| 90 % | 279.236 € | Die Grenze zu den reichsten 10 %. |
| 95 % | 438.000 € | Die Grenze zu den reichsten 5 %. |
| 99 % | 1.333.000 € | Ab hier gehört man zum reichsten 1 % (MillionärInnen). |
| 99,9 % | 5.650.000 € | Die Grenze zum reichsten 0,1 %. |
| Mittelwert | 139.007 € | Durchschnittswert (durch Reiche stark verzerrt). |
| Gini-Koeffizient | 0,826 | Maß für Ungleichheit (0 = gleich, 1 = extrem ungleich). |
Warum die Individualbetrachtung ein höheres Maß an Ungleichheit zeigt
Diese Werte zeigen schon einen gewaltigen Unterschied zur PHF-Studie. Während das Medianvermögen eines Haushalts 2023 bei 103.100 Euro lag, lag das Medianvermögen einer Einzelperson bei mal gerade 22.800 Euro (allerdings 2017).
Ebenfalls ist beeindruckend, dass das untere Viertel überhaupt kein Vermögen besitzt.
Die Betrachtung der Individualebene macht ein höheres Maß an Ungleichheit deutlich, welches die Betrachtung der Haushaltsebene verdeckt.
Sicherlich ist es so, dass sich in wohlhabenderen Haushalten die Ressourcen geteilt werden und somit der Lebensstandard der einzelnen, vermögenslosen, Personen oftmals höher ist. Dennoch ist es in Anbetracht von individueller Unabhängigkeit oder Altersvorsorge problematisch.
Dies ist ein Punkt, den ich auf diesem Blog immer wieder versuche deutlich zu machen, und hier hast du die Darstellung schwarz auf weiß.
Warum detaillierte Einzeldaten nach Alter häufig fehlen
Ich hätte dir gerne noch eine detaillierte Aufschlüsselung gegeben für die Vermögensverteilung nach Altersgruppen auf Basis des Individualvermögens, allerdings sind diese Daten – zumindest nach meiner Recherche – nicht öffentlich zugänglich.
Anders als die Bundesbank, die mit der PHF-Studie einer direkten Informationspflicht gegenüber der Öffentlichkeit nachkommt, ist das DIW Berlin mit dem SOEP ein wissenschaftliches Projekt, welches Rohdaten sammelt und diese über Lizenzen an Forscher weltweit zur Verfügung stellt. Auf diese Rohdaten habe ich natürlich keinen Zugriff, sondern kann nur auf die „Kostproben“ oder wissenschaftlichen Nebenprodukte eingehen, die frei zur Verfügung stehen und verständlich aufbereitet wurden.
Wie Datenschutz und statistische Ausreißer die Analyse erschweren
Ein anderer Grund ist der Datenschutz und die mögliche Verzerrung bei einer Aufschlüsselung nach Altersgruppen. Würde man die befragten Personen nach Altersgruppe, Perzentil und vielleicht noch regionaler Herkunft filtern, könnte man diese (insbesondere im hohen Vermögensbereich) re-identifizieren.
Zudem droht eine Verzerrung, weil bei einer solchen Filterung manchmal nur eine Handvoll Personen für den entsprechenden Datensatz übrigbleiben würden. Ein einziger junger Multimillionärs-Erbe, beispielsweise in der Altersgruppe der 20- bis 25-Jährigen, würde den Wert für das entsprechende Perzentil so nach oben schrauben, dass es für die Wissenschaft unbrauchbar wäre.
In einer Darstellung nach Haushalten würden solche einzelnen Ausreißer-Werte eine größere Glättung erfahren und anonymer sein. Ich vermute, dass man solche Darstellungen daher immer nur auf Haushaltsebene findet.
Fazit: Vermögensaufbau ist ein Marathon, kein Sprint
Nun kennst du, nach aktueller Studienlage (mit allen Stärken und Schwächen der aufgeführten Werte) die ungefähre Vermögensverteilung in Deutschland. Dies sind sehr wahrscheinlich die validesten empirischen Daten, die man diesbezüglich finden kann, und dennoch ist die Einschätzung, was Reichtum bedeutet, extrem subjektiv und oftmals nicht von der Realität gedeckt. Laut der PHF-Studie von 2017 fühlten sich nämlich nicht einmal 3 % der Haushalte den vermögendsten 20 % zugehörig. Die Deutschen fühlen sich also ärmer, als sie sind. Vermutlich, weil sich viele unter Reichtum die Yacht und den Privatjet vorstellen und nicht bereits ein Nettohaushaltsvermögen von 472.000 Euro (nach der PHF-Studie von 2023; 80 %-Perzentil).
Aber egal, in welchem Perzentil und nach welcher Studie du dich gerade wiederfindest: Vermögensaufbau ist kein Sprint, sondern ein Marathon.
Dies habe ich auf diesem Blog schon öfters erwähnt, aber die Daten zeigen, dass Zeit (Alter) dein wichtigster Verbündeter ist.
Fang heute an, dein individuelles Perzentil zu verbessern – stärke deine Finanzbildung, hinterfrage deinen Konsum, spare einen Teil deines Einkommens und investiere breit gestreut.
Die SOEP-Daten haben den individuellen Handlungsbedarf (Ein Viertel der Bevölkerung ist vermögenslos!) deutlich gemacht. Auf diesem Blog findest du alle relevanten Informationen, um deine finanzielle Unabhängigkeit zu stärken – starte jetzt!





