Reisebericht – Normal? Frugal? Sch***egal! (2/2)

Dies ist der zweite Teil meines Polen-Reiseberichts. Falls du wissen möchtest, wie unsere Reise gestartet ist, lies zuerst Reisebericht – Normal? Frugal? Sch***egal! (1/2).

Stopp 2: Krakau – Leeres Hotel & Frugalismus-Kontraste

Wir setzten die Reise nach Krakau fort und kamen nach ewigen Staus an unserem Hotel an: Das Metropolo by Golden Tulip. Zu unserer Verwunderung war allerdings der Parkplatz des riesigen 4-Sterne-Tagungshotels wie leer gefegt. Haben sie geöffnet? Sind wir die einzigen Gäste? Nun, einchecken konnten wir, aber nachdem wir die leer gefegte Lobby gesehen hatten und die Etage betraten, wo sich unser Zimmer befand, verstärkte sich immer mehr das Gefühl, dass hier wirklich niemand sonst ist.

Die Folgetage sahen wir beim Frühstück vielleicht insgesamt 10-20 Personen in einem Hotel und Frühstückssaal, der augenscheinlich für Hunderte ausgelegt war. Uns war es egal: Das Frühstück war der Hammer! Keine Ahnung, was mit all den Resten geschah, aber das Buffet war bestückt, als wenn das Hotel voll gewesen wäre. Es gab sogar Sektfrühstück! Das folgende Bild stammt von unserem Abreisetag; ich wollte unbedingt ein Bild mit einem Glas Sekt zum Frühstück, weil es für mich der Inbegriff von Dekadenz und der Kontrast zum Frugalismus ist.

Es schmeckte scheußlich! Ich trinke sowieso kaum Alkohol und dann auch noch am Morgen… Ich denke, man sieht das gequälte Lachen. In diesem Leben wird jedenfalls kein dekadenter Lebemann mehr aus mir. 😀

Nein, ich hebe eher den Preis für dieses Hotel hervor, wo wir ungewollt eine ganze Etage für uns hatten und unser Zimmer direkt neben dem Fitnessraum und der Sauna lag, als wenn es unsere privaten Räumlichkeiten gewesen wären. Ich zahlte mal gerade 180,25 € für 3 Nächte, 2 Personen und inklusive Frühstück. Dazu kommen zwar nochmal jeweils 50 Zloty pro Tag Parkgebühren, also nochmal 34,86 € obendrauf. Aber ich finde den Preis absolut unschlagbar.

Gedenkstätte Auschwitz: Eindrücke, die im Kopf bleiben

Ich beschrieb nun bereits das Hotelfrühstück, allerdings erhielten wir am ersten Morgen gar keines, denn wir hatten eine Auschwitz-Tour gebucht, die kurzfristig von 10:00 Uhr auf 06:40 Uhr am Abholpunkt im Zentrum von Krakau verlegt wurde. Das hieß: früh aufstehen und ranhalten! Wir mussten einige Male laufen, um die richtige Straßenbahn ins Zentrum noch zu erwischen. Der Bus für die deutsche Führung sollte um 06:40 Uhr abfahren und würde nicht warten.

Wir erreichten die Haltestelle pünktlich und lernten dort sogar ein herzliches Rentnerehepaar aus Wisconsin, USA kennen, mit dem wir uns eine ganze Weile austauschten. Auch sie wollten das „Concentration Camp“ besichtigen und auch ihre Tour wurde vorverlegt. Vorbereitet, wie die Alten so sind, hatten sie allerdings Verpflegungsbeutel ihres Hotels dabei. Wir hatten nur einige Dinge, die wir uns am Vortag in einem polnischen Aldi als Frühstück besorgt hatten. Ich machte wohl einen bedürftigen Eindruck auf die beiden, sodass sie mir unbedingt einen ihrer Verpflegungsbeutel aufs Auge drücken wollten. Wirklich, ich habe niemanden gedrängt! Aber stolz war ich schon auf mein kostenlos ergattertes Frühstück. 😀

Das war aber für die nächsten Stunden der vorerst letzte Höhepunkt, an dem wir herzlich über die amerikanische FIRE-Unterstützung lachten. Denn selbstverständlich wurde an unserem Zielort die Stimmung etwas ernster.

Stammlager Auschwitz I

Die Tour begann am Stammlager Auschwitz I. Bei der Buchung wurde darauf hingewiesen, sich dem Ort angemessen zu kleiden. Bei Temperaturen von um die 30 Grad sah man natürlich dennoch viel bauchfrei und Miniröcke. Vielleicht bin ich zu streng oder zu konservativ in meinen Ansichten, aber das war nicht das Einzige, was mir bei einigen Besuchern aufstieß. Nach der Sicherheitskontrolle, die der am Flughafen ähnelt, bekamen wir eine Einweisung unseres Tour-Guides, z.B. wo zu fotografieren gestattet ist und wo nicht…

Hier ein paar Bilder vom Lagereingang und der Lagerstraße.

Viel mehr Bilder machte ich im Stammlager nicht. Es gibt einige Orte, die muss man einfach auf sich wirken lassen, und neben der Ansage, wo man aus Pietätsgründen keine Fotos machen soll, würde sich mir auch nicht erschließen, wozu man zum Beispiel Menschenasche fotografieren sollte – wie es so einige taten. Ein Museum oder eine Gedenkstätte ist ja in den meisten Fällen ein sehr abstrakter Ort – eine Ausstellung historischer Exponate, wie Dokumente, Rüstungen oder Gemälde – Gegenstände mit einer gewissen Geschichte, aber wenig realem Bezug oder menschlicher Verbindung. Hier wirst du allerdings in Räume geführt, wo abrasiertes Menschenhaar von 140.000 Menschen liegt, in Räume, die quasi tapeziert sind mit erkennungsdienstlichen Häftlingsfotos, wo Urnen aufgebahrt sind mit zahlloser Menschenasche darin und Berge von Kinderschuhen, die dich nicht mal ansatzweise erahnen lassen, was dort abgegangen sein muss…

Neben dem Fotothema triggerte mich auch, dass der Guide soeben erklärte, dass der längste Appell auf dem Hof bei „sommerlichen Temperaturen wie heute“ (um die 30 Grad) 19 Stunden für die Häftlinge dauerte. Kurz darauf setzten sich die wohlgenährten und ausgeruhten Zeitgenossen unserer Wohlstandsgesellschaft auf eine Mauer im schattigen Platz eines Baumes – direkt auf die Gaskammer und das Krematorium des Lagers. Es bedurfte der Aufforderung des anwesenden Personals, darauf aufmerksam zu machen, sich doch bitte von dem „Friedhof“ zu erheben.

Auschwitz II (Birkenau)

Nach der Besichtigung des Stammlagers ging es mit unserem Bus weiter nach Auschwitz II, Birkenau. Dieser Ort hatte nochmal völlig andere Ausmaße in der Größe und den Eindrücken. Die Besichtigung der Baracken und die Schilderungen der dortigen Zustände sowie die Erläuterungen zur Abfertigung an der Rampe und schlussendlich die nüchternen Fakten der Hochphase der Massenvernichtung – eine halbe Million Menschen in nur zwei Monaten in regelrechter Fließbandarbeit zu ermorden – sind Dinge, die man vor Ort gar nicht so rasch verarbeiten kann, wie der Guide einen zur nächsten Station führt.

Fazit: Absolut sehenswert, auch wenn die Führung mir an einigen Stellen zu schnell war und ich etliche Fragen gehabt hätte. Dies ist aber vermutlich dem hohen Besucherandrang aus aller Welt geschuldet. Die Kosten für eine geführte deutsche Tour inklusive Shuttle beliefen sich für uns beide auf 102,60 €.

Krakau entdecken: Schindlers Fabrik, Wawel & jüdisches Viertel Kazimierz

Im Anschluss ging es mit unserer deutschen Reisegruppe zurück ins Zentrum von Krakau, wo jeder seiner Wege ging.

Die Hitze an diesem Tag war wirklich Hardcore und auf dem zentralen, weitläufigen Platz Rynek Glowny mit seinem hellen Kopfsteinpflaster, reflektierte die Sonne so stark, dass es sich wie in einem Backofen mit Ober- und Unterhitze anfühlte. Wir verschoben eine Erkundung der Altstadt auf den Folgetag und flüchteten uns zunächst in ein italienisches Restaurant.

Nach der Stärkung schlenderten wir in einen Park am Fuße der Burg Wawel und saßen die Hitze etwas unter Schatten spendenden Bäumen aus, bis wir uns schließlich dazu entschieden, den Fußweg zur berühmten Emaille-Fabrik von Oskar Schindler in Angriff zu nehmen. Einerseits versprach uns der Besuch des Museums eine „Abkühlung“ und andererseits sind wir beide sowohl von der Geschichte des Ortes und der Menschen als auch von der oscarprämierten Verfilmung von „Schindlers Liste“ fasziniert.

Der Eintritt kostete 60 Zloty pro Person, also 27,95 € für uns beide. Entgegen unserer Vorstellung lernte man in diesem Museum allerdings nichts bis kaum etwas über die Fabrik an sich oder den Alltag dort. Es war eher eine allgemeinere Ausstellung über das Leben – insbesondere das jüdische – in Krakau vor und während der deutschen Besatzung und natürlich auch über die sogenannten „Schindlerjuden“. Wir hatten zwar etwas andere Erwartungen, aber das heißt nicht, dass es schlecht war. Ein Audioguide stand nicht zur Verfügung, man muss sich also mit Englisch und Polnisch „begnügen“. Allerdings sind auch viele originale Dokumente, Zeitungen und „Bekanntmachungen“ ausgestellt, die natürlich alle in deutscher Sprache gehalten sind, weshalb man sich auch mit mäßigem Englisch etwas durch das Museum „hangeln“ kann.

Faszinierend war für mich an dieser Stelle zu erfahren, dass das KZ Plaszow, welches von Amon Göth geführt wurde, sich unweit südlich des Ghettos und der Fabrik befand – quasi im Stadtgebiet Krakaus. Dieser Teil war mir aus dem Film „Schindlers Liste“ nicht mehr geläufig, falls die Nähe des Lagers zur Stadt dort überhaupt thematisiert wurde. Sicherlich ist es surreal und etwas unpassend, die damaligen Geschehnisse mit einer Hollywoodproduktion zu vergleichen, aber dieser Film diente zumindest mir zur Visualisierung vieler Orte und Geschichten dieser Stadt.

Ironman Krakau, Bootstour auf der Weichsel & Podgorze

Am Folgetag, dem letzten Tag unseres Aufenthalts, hatten wir erstmals „gemäßigte“ Temperaturen unter 30 Grad, weshalb sich eine ausgiebige Erkundung des Stadtzentrums anbot. Gestartet haben wir wieder auf dem Rynek Glowny, wo an diesem Tag der Zieleinlauf für den Ironman von Krakau stattfand.

Der läuferische Anteil des Wettkampfs erstreckte sich über die gesamte Altstadt und sorgte für ordentlich Stimmung. Wir mischten uns zwar ab und zu unter die Schaulustigen, aber schlenderten auch durch einige ruhigere Gassen. Die alten Gebäude und die liebevolle Außengestaltung zahlreicher Lokale waren wirklich sehenswert.

Den Ironman verfolgten wir dann auch unter anderem weiter von der Flussseite aus, durch eine Bootstour auf der Weichsel – entlang der Burg Wawel und dem jüdischen Viertel Kazimierz. Kostenpunkt: 37,27 €. Allerdings würde ich die Tour nicht unbedingt empfehlen. Es war zwar nett, sich an einem warmen Tag eine knappe Stunde über das Wasser schippern zu lassen, aber wirklich neue Eindrücke von der Stadt erhielt man nicht und die musikalische Untermalung war Geschmackssache. Wir waren uns im Nachgang beide einig, dass wir auf dieses Erlebnis und diese Ausgabe hätten verzichten können.

Als wir auf Höhe der Burg Wawel wieder an Land gingen, folgten wir dem Verlauf der Weichsel bis ins jüdische Viertel. Dieser Teil faszinierte uns dann schon wieder mehr, weil wir beide bis dato noch nie an einem Ort waren, der sichtbar so jüdisch geprägt war – mit Synagogen, koscheren Restaurants und orthodoxen Juden mit ihren typischen Schläfenlocken.

Auch insbesondere geschichtlich reizte uns diese Gegend der Stadt, da unmittelbar südlich des jüdischen Viertels, auf der anderen Flussseite, das Ghetto während der deutschen Besatzung eingerichtet wurde. Die jüdische Bevölkerung wurde also damals einmal auf die andere Flussseite umgesiedelt – auf eine Fläche, die deutlich begrenzter ist als das historische Viertel Kazimierz.

Auf dieser Übersichtskarte einer City-Tour, ist die Lage der Stadtviertel wirklich gut erkennbar. Die Emaillefabrik von Oskar Schindler lag dabei leicht außerhalb, östlich des Ghettos. Das KZ Plaszow befand sich hierbei leicht südlich des dargestellten „Krakus Mound“. All diese Orte lagen also wirklich nah beieinander.

Wir überquerten in der Folge die Weichsel und besichtigten den Stadtteil Podgorze, das ehemalige jüdische Ghetto.

Selbstverständlich konnten wir heutzutage nicht mehr viele Spuren dieser Zeit dort finden, aber ein paar waren es doch – wie dieses Fragment der ehemaligen Ghettomauer (die Bögen sind, makabererweise, jüdischen Grabsteinen nachempfunden) und den Straßenzug, an dem sich der damalige Haupteingang des Ghettos befand.

Die Straßenbahnlinie verläuft heute übrigens an derselben Stelle wie damals, wie man auf diesem Bild erkennt. In dem Schindler-Museum lernten wir dazu, dass auch in der Besatzungszeit die Straßenbahn durch das Ghetto fuhr, allerdings niemand dort aussteigen und offiziell nicht einmal hinausgucken durfte. Einige Menschen nutzten die Straßenbahn allerdings, um von dieser Nahrungsmittel in das ansonsten abgeschottete Areal zu werfen, um so den eingeschlossenen „Bewohnern“ zu helfen.

Nach dieser letzten geschichtlichen Exkursion kehrten wir zum Abschluss in dem Restaurant Emalia, nahe der Schindler-Fabrik, ein. Dort wurden entsprechend des Namens und der örtlichen Nähe die Speisen in und auf Emaille-Geschirr serviert. Für Rindertatar, Kotelett, Pasta und zwei Hugos zahlten wir 42,86 €. Das war quasi unser „letztes Abendmahl“ und nach dem Frühstück am Folgetag traten wir die knapp 800 Kilometer Heimreise an.

Finanz-Fazit: Was kostet ein frugal-komfortabler Polen-Urlaub?

Die zusammengefassten Kosten unseres Sommerurlaubs stellten sich wie folgt dar:

Hotel Breslau237,86 €
Hotel Krakau180,25 €
Hotel-Parkgebühren69,74 €
Geführte Auschwitz-Tour102,60 €
Wasserpark Wroclaw48,73 €
Bootstour Weichsel37,27 €
Schindler-Museum27,95 €
Öffentl. Nahverkehr11,35 €
Öffentl. Toiletten5,43 €
Restaurants, Essen & Getränke allgemein274,28 €
Spritca. 125,00 €
Gesamt1.120,46 €

Abschließende Gedanken: Was bedeutet Freiheit wirklich?

Ein Blog ist ja gewissermaßen auch ein digitales Tagebuch. Ich hoffe, ein Bericht wie dieser hat niemanden gelangweilt, aber ich denke ab und an etwas Persönliches neben all den trockenen Finanzthemen ist auch nicht verkehrt. Mir hat das Schreiben darüber jedenfalls Freude bereitet und ich denke, ich werde so etwas öfter tun. Schließlich sind Reisen, Erlebnisse und Freiheit doch das Ziel des ganzen Sparens und Investierens – bei mir sieht Freiheit so aus.

Im Urlaub kann ich sein, wie ich bin. Ich muss mich vor keinem Chef oder Kollegen verstellen, keinem Kunden oder Gast gefallen und ein gutes Gefühl geben. Ich lebe einfach mein Leben, wie ich es für richtig halte. Das ist Freiheit!

Mein frugaler Lebensstil und meine Investitionen an der Börse ermöglichen mir dies.

Vielleicht wird mein Leben mit zunehmendem Vermögen weniger „frugal“, aber ich denke, ich werde immer deutlich unter meinen Möglichkeiten konsumieren. So ist einfach mein Wesen – all der Schnickschnack macht mich nicht glücklich, wie das Sektfrühstück bewies. Ich habe Freude daran, 10 € beim Sprit zu sparen und dafür ein nach Benzin stinkendes Auto in Kauf zu nehmen. Das bin ich! Etwas irrational, aber das ist meine Art zu denken und zu handeln – und ich liebe es. 😊

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert