Ich hatte es vor einigen Wochen auf meinem Instagram-Profil in einem Beitrag bereits angekündigt und nun finde ich die Zeit, es auch endlich umzusetzen, und zwar die Zusammenfassung eines kleinen, relativ frugalen Kurztrips von meiner Partnerin und mir.
Warum das Ganze? Einfach just for fun. Es war für mich einfach ein perfekter Kurztrip mit schlichten Unternehmungen, aber einem enormen Outcome in Form von Glück – und das möchte ich mir einfach von der Seele schreiben. Außerdem ist das hier ein persönlicher Blog, also why not – hate it or love it! 😊 Und selbstverständlich geht es dennoch um Finanzen und das Frugalismus-Mindset.😊
Wo ging es hin?
In die Hauptstadt. Ja, richtig gelesen, in das „Kalkutta an der Spree“, wie viele spöttisch sagen, aber trotz seines „fabelhaften Rufes“ in der Republik muss ich sagen, dass ich mich gerne in Berlin aufhalte. Meine Partnerin war da schon etwas kritischer, schließlich waren wir schon öfter für einen Tagesausflug in der Stadt und sie wollte eigentlich mal was anderes sehen, aber ich habe mich durchgesetzt. 😎
Zur Einordnung: Wir beide sind zwei ziemliche Landeier und kommen aus einem kleinen Dorf in Mecklenburg-Vorpommern. Das heißt, dass das, was für viele ziemlich normal ist – der Großstadttrouble – für uns immer eine kleine Faszination darstellt. Aus diesem Grund unternehmen wir ab und an solche kleinen Ausflüge, und die Zuganbindung aus unserer ländlichen Pampa nach „Kalkutta“ ist so gut, dass sich dieser Trip immer wieder anbietet.
Dieses Mal wollten wir allerdings keinen Tagesausflug machen, sondern für zwei Nächte in der Stadt bleiben. Also hieß es für mich natürlich Angebote vergleichen und Schnäppchen jagen, ganz nach dem Warren-Buffett-Zitat:
„Der Preis ist das, was du bezahlst. Der Wert ist das, was du bekommst.“
Und wie bei einer gezielten Aktienauswahl nach Preis und Wert wurde ich auch bei einem Hotel mit für mich zufriedenstellenden Parametern fündig, welches ich mir direkt ins „Depot“ legte: Nähe zum Regierungsviertel, unmittelbare Nähe zum Hauptbahnhof (der Grund folgt später), gutes, umfangreiches Frühstücksbuffet, ansprechendes Zimmer und Bad, solide Hotelbewertung und natürlich der Preis.
Ja, ich weiß, das klingt nach ganz schön viel Recherche- und Vergleichsarbeit und das ist es auch, aber mir bereitet es bis zu einem gewissen Grad auch Freude und wenn ich dabei noch Geld sparen kann, welches an anderer Stelle dann wiederum für mich arbeitet, ist es einfach eine Win-win-Situation.
Am Ende wurde es das IntercityHotel Berlin Hauptbahnhof für 187,24 € für zwei Personen und zwei Nächte, inklusive Frühstück. Ich finde, das ist ein starker Preis, und mit dem, was uns im Gegenzug dafür geboten wurde, waren wir vollkommen zufrieden. Zusätzlich wurden vor Ort jedoch noch 10,34 € City Tax fällig – einfach der Vollständigkeit halber.

Der Transport-Hack
Die Hotelbuchung zum Sparpreis war somit schon mal geglückt. Nun stand der Transport noch zur Debatte. Eine Anreise mit dem Auto war eigentlich von vornherein kein Thema. Erstens ist es mir viel zu stressig, durch die Stadt zu cruisen, zweitens waren infolge des Iran-Krieges die Spritpreise regelrecht explodiert, drittens kostet das Parken im Hotel immer extra und viertens haben wir eine relativ gute Bahnanbindung nach Berlin.
In der Vergangenheit sind wir bei Tagesausflügen nach Berlin oder beim Flughafentransfer zum BER immer mit dem Berlin-Brandenburg-Ticket der Deutschen Bahn gefahren. Dieses kostet nur 35 € am Tag und es können bis zu fünf Personen mit diesem Ticket befördert werden. Außerdem gilt es nicht nur im Bereich Berlin-Brandenburg, sondern, positiv für uns Landeier aus M-V, auch bis nach Waren (Müritz) an der Mecklenburgischen Seenplatte. Viel günstiger kann man diese Strecke, glaube ich, kaum hinter sich bringen, dachte ich jedenfalls.
Dann hatte ich aber einen frugalen Geistesblitz! Besser gesagt, meine Partnerin bescherte ihn mir, denn sie sagte: „Eigentlich brauchst du für mich gar kein Ticket zu kaufen, ich habe doch ein Azubi-Deutschlandticket“. „Stimmt!“, ich hatte glatt vergessen, dass meine Freundin bereits ein Deutschlandticket besitzt und dieses im Rahmen ihrer Ausbildung auch noch zu einem ermäßigten Preis bekommt. Damit es aber tatsächlich eine Ersparnis gibt, musste ich auch eine Alternative für mich zum Berlin-Brandenburg-Ticket finden, ansonsten würden die 70 € für Hin- und Rückfahrt stehen bleiben – egal, ob eine oder zwei Personen unterwegs sind.
Da fiel mir etwas ein, was ich schon zehn Jahre lang nicht mehr gemacht hatte! Ich bin Polizeibeamter, und wenn ich in Uniform Zug fahre, für jedermann erkenntlich bin und somit „für Sicherheit sorge“, darf ich nach einem Abkommen zwischen der DB und der Bundes- und den Landespolizeien kostenlos in der 2. Klasse mitfahren. Check! Das war mein Golden Ticket, damit wir beide ohne Transportkosten nach Berlin hin und zurück kommen – ein echter Frugalismus-Life-Hack.
Zugegeben, ich bin das letzte Mal vor zehn Jahren so Zug gefahren und dann auch alleine. Seitdem hat sich das Sicherheitsgefühl in öffentlichen Verkehrsmitteln, glaube ich, nicht zum Positiven verändert, weshalb ich meine Freundin gebeten hatte, es so aussehen zu lassen, „dass wir nicht zusammengehören“. Einfach für den Fall, dass jemand meint, „den blöden Bullen“ anzupöbeln, oder es doch zu einer Konfliktsituation kommt, damit sie dann unbeteiligt bleibt und nicht „mit hineingezogen wird“. Irgendwie schon traurig, dass man sich solche Gedanken machen muss, aber das ist ein anderes Thema…
Das war im Übrigen auch der Grund, warum ich ein Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs wollte. Verständlicherweise wollte ich möglichst schnell raus aus den Dienstklamotten und nicht unnötig lange in Uniform herumspazieren, denn wie man sich vorstellen kann, wird man oftmals wie ein „Marsmensch“ angeglotzt und wird entsprechend oft angesprochen – mal nett, meistens jedoch eher mit ‘nem dummen Spruch. Nun, in dem Fall war es einfach der Preis, den ich für die kostenlose Fahrt zahlte.
Tag 1: Luxus-Kaufhaus und englischer Service
So, dann eingecheckt, umgezogen, Hotel erkundet und ab in die City. Vorbei am Kanzleramt und Reichstag und rein in den Tiergarten. Da sind wir dann sogleich auf Bulle und Bär gestoßen.

Tja, wenn man überall einen Börsenbezug sehen will, findet man ihn auch.
Für diesen ersten Abend hatten wir uns vorgenommen, mal das KaDeWe zu besichtigen – es wird ja immer als so ein tolles Luxus-Kaufhaus angepriesen, und wir waren beide noch nie drin, also wollten wir Sparfüchse mal schauen, wofür andere so ihr Geld ausgeben.
Nun, was soll ich sagen. Besonders beeindruckt waren wir nicht. Ich stellte keinen großen Unterschied zu anderen normalen Kaufhäusern fest. Na klar gab es ein paar typische Luxusmarken, aber auch „normalere“ Dinge – nichts, was uns wirklich „vom Hocker haute“. Meine Freundin verschwand dann für eine Weile in der Buch- und Schreibwarenabteilung, und ich ließ mich derweil auf der „Fressmeile“ für das Abendessen inspirieren. Schön klischeehaft, aber so sind wir eben 😊
Danach hatten wir uns für das Abendessen vorgenommen, eine Sportsbar aufzusuchen, da ein Deutschland-Fußball-Länderspiel auf dem Plan stand. Wir hatten bereits bei einem Berlin-Ausflug zur Heim-EM eine gute Zeit auf der Fanmeile und daran wollten wir in ähnlicher Atmosphäre anknüpfen.
Bei strömendem Regen liehen wir uns EINEN Lime-E-Roller aus, um zur Bar zu gelangen – ich vorne drauf und meine Freundin hinter mir, während der Fahrt einen Regenschirm über uns beide haltend – es machte einen Mörderspaß. Kosten: 3,99 €.


In der Sportsbar angekommen, waren wir etwas verwirrt: Obwohl wir mitten in Berlin waren und das Personal augenscheinlich aus Deutschen und Muttersprachlern bestand, ignorierten sie eine deutsche Anrede und sprachen ausschließlich Englisch mit uns. Die Speisekarte war ebenfalls nur auf Englisch. Nicht nur das: Auch andere deutsche Gäste (vornehmlich junge Leute) sprachen ausschließlich auf Englisch, nur gelegentlich rutschte ihnen ein deutsches Wort raus. Für alle Einheimischen schien es völlig normal zu sein, ein paar andere Touris waren davon allerdings ebenfalls überrascht. Ich verstehe es bis heute nicht, wirklich, keine Ahnung, aber vermutlich hat Berlin auch aus Gründen wie diesen einen so speziellen Ruf…
Das Wichtigste war: Es hat geschmeckt. Für üppige Portionen und ein paar Happy-Hour-Aperols haben wir zu zweit nur 45 € bezahlt. Der Mecklenburger würde sagen: „Da kannst echt nicht meckern.“
Der Regen hatte mittlerweile aufgehört, und da noch Fahrzeit auf unserem 3,99 € Lime-Pass übrig war, drehten wir noch eine nächtliche Runde an den typischen Sehenswürdigkeiten entlang, bevor wir vollgefuttert und glücklich ins Hotelbett fielen.

Tag 2: 40 Kilometer pures Glück
Am nächsten Morgen stand zunächst das Frühstücksbuffet auf dem Plan, welches alle Erwartungen erfüllte. Perfekt, ich liebe es, wenn der Tag schon so gut beginnt – und es wurde noch besser. Wir hatten uns ursprünglich vorgenommen, Fahrräder mit nach Berlin zu nehmen, weil wir die Stadt mal auf diese Weise erkunden wollten, hatten uns schlussendlich aber dagegen entschieden. Die Bahn ist auch so immer recht voll, dazu das Gepäck, ich in Uniform usw. Wir dachten, es könnte irgendwie lästig sein, die Fahrräder im Schlepptau zu haben. Die Kosten wären dafür übrigens nochmal 7,50 € je Fahrrad und Fahrt gewesen, also 30 € insgesamt.
Nun gab es aber im Hotel die Möglichkeit, Fahrräder auszuleihen und das für gerade einmal 16 € am Tag je Fahrrad! Das waren nur 2 € mehr, als wenn wir sie selbst „mitgeschleppt“ hätten. Check, das Tagesprogramm stand fest. Und ich kann dir sagen, es war eine soooo gute Entscheidung!

Wir hatten unfassbar viel Spaß!
Vom Hotel aus ging es vorbei am Reichstag und Brandenburger Tor, dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas, der Topographie des Terrors, Checkpoint Charlie, dem Axel-Springer-Neubau, der East Side Gallery, dem sowjetischen Ehrenmal in Treptow, über das Tempelhofer Feld, vorbei an der SPD-Parteizentrale bis zum „Hans im Glück“ in der Friedrichstraße, wo wir uns zum Kaffee für 27 € erstmal wieder stärkten. Danach ging es noch weiter über „Unter den Linden“ zur Museumsinsel, zum Alexanderplatz und in den Prenzlauer Berg, wo wir uns ein ausgiebiges Buffetessen für 60 € reinschaufelten.






Mit dem Rückweg zum Hotel durch das nächtliche Berlin hatten wir über 40 Kilometer abgestrampelt und dabei einen riesigen Spaß. So eine Aneinanderreihung von Stationen einer Fahrradtour wirkt natürlich öde in der Erzählung für jemanden, der nicht dabei war, aber mit all den Albernheiten, kleinen Wettrennen und blöden Sprüchen zwischendurch hatten wir einen unglaublich schönen und erfüllenden Tag.

Abreisetag: Die Magie der kleinen Dinge
Für den Morgen unseres Abreisetages hatten wir uns vorgenommen, ganz früh aufzustehen, um einerseits bereits ein paar Schritte zu sammeln und Platz für das Frühstück zu schaffen, und andererseits, weil wir es genießen, das geschäftige Treiben am Morgen zu beobachten, wenn man selbst keinen Druck hat, pünktlich auf der Arbeit zu sein. Wir schlenderten etwas an der Spree entlang und verweilten im geschäftigen Treiben am Hauptbahnhof. Ich beobachtete das typische Morgenritual vieler Leute, den teuren Coffee to go, und wir durchstöberten das Angebot der Zeitungs- und Buchhändler.




Diese „Ruhe“ am Morgen, ohne Zeitdruck im Hinterkopf und nur mit der Aussicht, gleich noch ein reichhaltiges Frühstücksbuffet serviert zu bekommen, verbunden mit der Möglichkeit, das Verhalten von Menschen zu beobachten, erzeugt einfach eine tiefe Zufriedenheit bei mir.
Irgendwann hieß es dann aber auch für uns: Abschied nehmen von diesem schönen Kurzaufenthalt. Ich bin in der Rückschau immer wieder verwundert, wie etwas so Banales und Kostengünstiges wie Fahrradfahren, verbunden mit neuen Eindrücken, uns einen solchen Mehrwert und Glücksgefühle bescheren kann. Es müssen keine teuren Freizeitaktivitäten und Urlaube sein – manchmal sind es die vermeintlich kleinen Dinge, die einem immer wieder die schönen Momente des Lebens vor Augen führen.
„Frugalismus bedeutet für mich nicht, viel Geld ausgeben zu müssen für ein erfülltes Leben mit schönen Erlebnissen.“
Nichtsdestotrotz haben wir hier natürlich Geld ausgegeben, aber ich finde, es hielt sich im Rahmen und ist für das Erlebte und die Erinnerungen jeden Cent wert.
Die Kosten des Berlin-Trips im Überblick
| Hotelbuchung (2 Personen im Doppelzimmer inkl. Frühstück für 2 Nächte) | 187,24 € |
| Hotel City Tax | 10,34 € |
| Lime Pass E-Roller | 3,99 € |
| Abendessen Sportsbar | 45,00 € |
| Fahrrad-Leihgebühren | 32,00 € |
| Essen im Café | 27,00 € |
| Abendessen Buffetrestaurant | 60,00 € |
| Gesamt | 365,57 € |





„Diese „Ruhe“ am Morgen, ohne Zeitdruck im Hinterkopf und nur mit der Aussicht, gleich noch ein reichhaltiges Frühstücksbuffet serviert zu bekommen, verbunden mit der Möglichkeit, das Verhalten von Menschen zu beobachten, erzeugt einfach eine tiefe Zufriedenheit bei mir.“
Das fühle ich so.
Wenn man selbst alle Zeit der Welt hat und dem geschäftigen Treiben entspannt zusehen kann 🙂
Gerne mehr solche persönlichen Artikel.
Liebe Grüße,
DerFinanznomade
Lieber Finanznomade, lieber Manuel,
ja, das Gefühl ist unbezahlbar. 🙂
Vielen Dank für den allerersten Kommentar und danke für das Feedback, das hilft sehr.
Ich suche noch meinen Schreibstil zwischen eher allgemeinen Tipps, faktenreichen Artikeln und/oder persönlichen Beiträgen. Mit Letzterem hadere ich noch am meisten, eben gerade wegen der persönlichen Geschichten, die man einstreut, und der Frage, ob solche Inhalte überhaupt auf Interesse stoßen.
Da nimmt so ein Kommentar natürlich ein Stück Unsicherheit. 🙂
Liebe Grüße,
Felix